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Stress am Arbeitsplatz: Sieben Methoden, wie HR die Mitarbeiter unterstützen kann

Trotz besserer Arbeitsbedingungen nimmt der Stress unter Arbeitnehmern zu, zumindest nehmen diese es so wahr. Das klingt nach einem Luxusproblem, doch die Folgen sind gra-vierend: Auf Dauer leiden Gesundheit, Produktivität und Kreativität. Was kann HR tun, um Mitarbeitern zu helfen, mit Stress besser zurechtzukommen?

Mehr als 60 Prozent der Arbeitnehmer fühlen sich gestresst Die gefühlte Stressbelastung von Arbeitnehmern in Deutschland nimmt seit Jahren trotz real sin­kender Arbeitsmenge und mehr Automatisierung zu. Das zeigt auch eine Studie, die die Techniker Krankenkasse herausgegeben hat: Mehr als 60 Prozent der Arbeitnehmer fühlen sich manchmal bis häufig gestresst.

Die negativen Folgen durch dauerhafte Stress­belastung sind für Mensch und Unternehmen nicht zu übersehen: Die Gesundheit der Mitarbeiter und das Arbeitsklima leiden, Mitarbeiter melden sich häufiger krank, sind weniger motiviert, weniger produktiv und weniger kreativ.

Jeder Mensch empfindet Stress anders, und die meisten Auslöser von Stress lassen sich kaum ver­meiden. Trotzdem kann HR einiges tun, um Mitar­beitern zu helfen, besser mit Stress und stressigen Situationen umzugehen.

Auf Stresssymptome achten Da Personaler wenig direkten Kontakt mit Mit­arbeitern haben, sollten sie in engem Austausch mit den Führungskräften stehen und diese darin schulen, Anzeichen für überforderte Mitarbeiter zu erkennen. Folgende Anzeichen können ein Zeichen für Stress sein:

  • Mitarbeiter lassen sich leicht ablenken: Sie wirken in Gesprächen abwesend, schauen dauernd auf ihr Smartphone oder auf die Uhr oder können nicht über längere Zeit konzentriert an ei­ner Aufgabe arbeiten.
  • Mitarbeiter sind körperlich abgespannt. Sie wirken hektisch, atmen unruhig, können nicht stillsitzen, schwitzen oder haben andere körperli­che Symptome.
  • Mitarbeiter melden sich häufiger krank als früher.
  • Die Persönlichkeit von Mitarbeitern än­dert sich. Statt fröhlich und offen sind sie zu­nehmend schlecht gelaunt, gereizt oder in sich gekehrt.
  • Die Beziehung unter den Mitarbeitern ändert sich. Der Ton unter Kollegen wird rauer, jeder Konflikt eskaliert. Zudem tritt im Unterneh­men Mobbing auf.

HR sollte besonders dort genau hinschauen, wo sich Überstunden anhäufen oder große Verände­rungen im Gange sind – dort sind die Mitarbeiter besonders stressgefährdet.

Die Sensibilität fördern Manche Menschen sind sich oft nicht bewusst, dass sie unter Stress leiden. Andere wiederum versuchen, Stressgefühle zu unterdrücken oder zu verschweigen. Sie haben Angst, als Versager dazu­stehen und ihre Karriere zu gefährden.

Hier kann, wie auch in vielen anderen Situa­tionen, reden helfen. HR sollte das Thema offen ansprechen und Stressbewältigung als eine seiner Aufgaben etablieren, um die Gesundheit und die Produktivität der Mitarbeiter zu erhalten. Füh­rungskräfte und Mitarbeiter sollten sich auf The­men wie Wohlbefinden, innere Balance, gesunder Schlaf, Bewegung und Zeitmanagement fokussie­ren.

Um Mitarbeitern bei der Selbstreflexion zu helfen, kann die Personalabteilung Tools wie das „How-are-you“-Dashboard anbieten. Darauf können Mitarbeiter ihr individuelles Empfinden erfassen. Durch regelmäßige Umfragen auf Unterneh­mensebene kann die HR-Abteilung herausfinden, wie hoch der Stresslevel ihrer Mitarbeiter insge­samt ist und wie er sich verändert.

Methoden zur Stressbewältigung HR sollte eine stressresistente Unternehmenskultur fördern und Methoden vermitteln, wie Mitarbeiter Stress vermeiden oder besser bewältigen können. Sieben Methoden zur Stressbewältigung – für ein­zelne Mitarbeiter, Teams und das ganze Unterneh­men – können dabei angewandt werden.

Jeder Mitarbeiter individuell

  1. Auf eine Aufgabe konzentrieren: Mitar­beiter sollten Aufgaben einzeln und nacheinander bearbeiten, statt mehrere parallel zu erledigen. Die Umgebung sollte frei von Ablenkungen sein, und Störungen sollten möglichst vermieden werden, beispielsweise indem Mitarbeiter Push-Nachrich­ten abstellen und E-Mails nur zu festen Zeiten am Tag beantworten. Für Aufgaben, die hohe Konzen­tration erfordern, sollten ruhige Orte zur Verfügung stehen – auch und vor allem in Großraumbüros.
  2. Kurze, bewusste Pausen einbauen: Regelmäßige Pausen – zum Beispiel nach der Po­modoro-Technik – erhalten die Produktivität. Wäh­rend der Pausen sollten sich Mitarbeiter bewusst erholen, indem sie beispielsweise kurz an der fri­schen Luft durchatmen oder Dehn- und Atemübun­gen machen. Das Smartphone sollte in dieser Zeit tabu sein. Nach nur fünf bis zehn Minuten fühlt sich ein Mitarbeiter erfrischt und munter.
  3. Prioritäten setzen: Zeit hat keiner, jeder muss sie sich nehmen. Mitarbeiter müssen in der Lage sein, ihre wichtigen Aufgaben zu identifizie­ren und diese zuerst zu erledigen. Weniger Wichti­ges können sie delegieren oder weglassen. Mitar­beiter sollten ermutigt werden, manchmal nein zu sagen oder auf ein Meeting zu verzichten, bei dem sie nicht unbedingt gebraucht werden.

Im Team

  1. Konzentration in Meetings fördern: Gespräche und Meetings sollten bewusst, ohne Hektik und in konzentrierter Atmosphäre begon­nen werden. Eine Runde zu Beginn, in der jeder Teilnehmer ein Erfolgserlebnis des Tages teilt, kann eine positive Grundstimmung schaffen. Durch Aus­redenlassen, aktives Zuhören und Blickkontakt – statt nebenher E-Mails zu bearbeiten – wird das gegenseitige Verständnis gefördert, und die Ergeb­nisse sind besser.
  2. Raum für Menschlichkeit schaffen: Mit­arbeiter müssen „Mensch sein“ dürfen. Das heißt: Führungskräfte und Mitarbeiter dürfen Emotionen zeigen, positive wie negative. Fehler dürfen passie­ren und sollten offen und konstruktiv besprochen werden. Humor und gemeinsames Lachen helfen in stressigen Phasen oder in Konflikten, einen po­sitiven Teamgeist zu bewahren. Teams sollten sich auch auf persönlicher Ebene kennenlernen und ge­meinsam feiern dürfen.

Auf Unternehmensebene

  1. Führungskräfte müssen Vorbilder sein: Die Manager müssen vorleben, was sie von ihren Mitarbeiter verlangen. Erwarten sie von ihren Mit­arbeitern mehr Mut zum kalkulierten Risiko, dürfen sie sie nicht für Fehlschläge bestrafen – und müs­sen zu ihren eigenen Fehlern stehen. Führungs­kräfte sollten im Umgang mit Mitarbeitern ihre menschliche Seite zeigen. Vielen ist gar nicht be­wusst, wie viel kleine Gesten bewirken: ein Lob vor dem Team, eine handgeschriebene Glückwunsch­karte, ein aufmunterndes Wort, wenn es gerade nicht rund läuft.
  2. Transparent kommunizieren: Unsicher­heit über die Zukunft kann Stress auslösen. Das Management muss Mitarbeiter offen und früh­zeitig über Neuerungen, Projekte und Vorhaben informieren, auf Einwände und Befürchtungen eingehen. Erfolge und Fehlschläge sollten gemein­sam analysiert werden, damit alle daraus lernen können. Dafür ist eine Kultur erforderlich, in der Informationen, Kritik und Lob frei fließen können – in alle Richtungen.

Stressbewältigung – eine Aufgabe von HR? Mitarbeiter, die dauerhaft unter Stress leiden, ver­ursachen Kosten für das Unternehmen und schwä­chen es im Wettbewerb. Die HR-Abteilung kann und muss daher Maßnahmen ergreifen, damit Mitarbeiter dauerhaft leistungsfähig und motiviert sind. Dabei sollte sie genauso achtsam vorgehen, wie sie es den Mitarbeitern empfiehlt: Überlegte, schrittweise Änderungen wirken zumeist am bes­ten. So gibt HR dem Mitarbeiter Sicherheit und die Zeit, sich anzupassen, statt sie zusätzlich unter Druck zu setzen.

 

Quelle:
https://www.faz-personaljournal.de/ausgabe/02-2020-ausgabe/stress-am-arbeitsplatz-sieben-methoden-wie-hr-die-mitarbeiter-unterstuetzen-kann-1600/