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Zeiterfassung: So bekommst du die Überstundenvergütung | Stand 13.07.2020

In Deutschland werden jährlich ungefähr 900 Millionen unbezahlte Überstunden geleistet. Häufig, weil die Stunden gar nicht erfasst werden und die Arbeitnehmer deshalb die Ableistung auch nicht belegen können. Das wird sich grundlegend ändern, mit weitreichenden Folgen auch für dich als Mitarbeiter oder Mitarbeiterin in Deutschland. Arbeitgeber sind nämlich zur systematischen Erfassung von Überstunden verpflichtet, so der EUGH mit Entscheidung vom 14.05.2019. Was es damit auf sich hat? Rechtsanwalt Alexander Bredereck, Mitglied bei anwalt.de, klärt auf.

In Deutschland werden jährlich ungefähr 900 Millionen unbezahlte Überstunden geleistet. Häufig, weil die Stunden gar nicht erfasst werden und die Arbeitnehmer deshalb die Ableistung auch nicht belegen können. Das wird sich grundlegend ändern, mit weitreichenden Folgen auch für dich als Mitarbeiter oder Mitarbeiterin in Deutschland. Arbeitgeber sind nämlich zur systematischen Erfassung von Überstunden verpflichtet, so der EUGH mit Entscheidung vom 14.05.2019. Was es damit auf sich hat? Rechtsanwalt Alexander Bredereck, Mitglied bei anwalt.de, klärt auf.

Erleichterung der Klage auf Überstundenvergütung

In einem aktuellen Urteil vom 20.02.2020, sieht das Arbeitsgericht Emden eine unmittelbare Verpflichtung der Arbeitgeber direkt aus dem EUGH-Urteil. Legt der Arbeitnehmer eine eigene Aufzeichnung vor, können entsprechende Ansprüche auf Überstundenvergütung kaum noch erfolgreich abgewehrt werden, wenn der Arbeitgeber kein eigenes Erfassungssystem installiert hat. Das Zeiterfassungssystem des Arbeitgebers muss zudem objektiv verlässlich und zugänglich sein. Versteckte Listen auf dem PC des Chefs dürften diesen Kriterien nicht genügen.

Das musst du tun, um deine Überstunden bezahlt zu bekommen

Wenn dein Arbeitgeber eine ordentliche Zeiterfassung durchführt, wirst du wahrscheinlich auch deine Zeiten vollständig vergütet bekommen. Du musst hier nur auf etwaige tarifliche oder arbeitsvertragliche Ausschlussfristen achten und gegebenenfalls rechtzeitig die Ansprüche geltend machen. Gibt es keine Zeiterfassung, solltest du eine eigene Aufstellung der Arbeitszeiten anfertigen.

Hierfür musst du den täglichen Beginn deiner Arbeitszeit, den Beginn und das Ende der Pausen, das Ende der täglichen regulären Arbeitszeit und das Ende der tatsächlichen Arbeitszeit (einschließlich der Überstunden) festhalten. Dazu kannst du einen Kalender nutzen und dir idealerweise diese Zeiten auch noch von einem Kollegen per Unterschrift täglich bestätigen lassen. Mittlerweile gibt es auch technische Hilfsmittel, wie Apps um die Arbeitszeit selbst zu messen und zu dokumentieren.

Home-Office-Setting und Kurzarbeit

In Coronazeiten arbeiten viele Arbeitnehmer im Homeoffice, die mit dem neuen Setting noch gar keine Erfahrung haben. Die exakte Dokumentation der Arbeitszeit ist in diesem Fall besonders wichtig. Denn die Vorgesetzten haben teilweise auch keine Erfahrung mit dieser neuen Situation. Hier könnte es hinterher zu Streitigkeiten kommen. Um hier auf der sicheren Seite zu sein, solltest du deine Arbeitszeiten unbedingt wie oben geschildert erfassen.

Hinsichtlich des Themas Kurzarbeit gilt Folgendes: Soweit die Kurzarbeit nicht die gesamte Arbeitszeit erfasst (Kurzarbeit Null), gelten keine Besonderheiten. Du solltest bei fehlender Erfassung der Arbeitszeit durch den Arbeitgeber, sogar besonders gründlich sein. Viele Arbeitgeber beantragen nämlich Kurzarbeit und lassen die Arbeitnehmer dann trotzdem arbeiten. Das könnte später zu Strafverfahren führen. Ein Grund mehr, sich abzusichern.

Vorsicht bei Arbeitszeitbetrug

Die oben genannten arbeitnehmerfreundlichen Entscheidungen werden dazu führen, dass die Unternehmen viel mehr Überstunden vergüten (müssen) als bislang und möglicherweise vermehrt ihre Aufmerksamkeit darauf richten, ob sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen während der Arbeitszeit auch tatsächlich auf die beruflichen Tätigkeiten fokussieren. Aus diesem Grund sollte man als Arbeitnehmer besonders darauf achten, welche persönlichen Angelegenheiten man während der Zeit, in der man arbeitet erledigt. Private Aktivitäten sind nämlich während der Dienstzeit untersagt und im Ernstfall kann es hier auch zu rechtlichen Konsequenzen kommen.

Wie sieht es in der Schweiz und in Österreich aus?

In Österreich und in der Schweiz gelten teilweise andere Regelungen. Informationen findest du auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (Österreich), auf den Seiten der Ämter für Wirtschaft und Arbeit (Schweiz) sowie in den jeweiligen staatlichen Gesetzen.

Zeichne deine Arbeitszeiten sorgfältig auf und unterlasse Privates während der dokumentierten Arbeitszeit. Weitere Informationen und Regelungen zu Überstunden und Pausenzeiten findest du hier auf unserem Blog. Rechtsanwalt Alexander Bredereck, Mitglied bei anwalt.de unterstützt euch bei Fragen.

Quelle:
https://news.kununu.com/zeiterfassung-so-bekommst-du-die-ueberstundenverguetung/?utm_source=CleverReach&utm_medium=email&utm_campaign=knl_09.07.2020_DE&utm_content=Mailing_12089401